Spezialfälle · 7 Min Lesezeit · Aktualisiert 17.9.2026
Wohnungsübergabe: Was die Endreinigung wirklich leisten muss
Bei der Wohnungsübergabe geht es selten um Schmutz — es geht um die Kaution. Der häufigste Streitpunkt ist dabei nicht, ob geputzt wurde, sondern wie gründlich es hätte sein müssen. Der Mietvertrag sagt meist nur ein Wort dazu: besenrein. Was das bedeutet, legen Mieter und Vermieter regelmäßig unterschiedlich aus. Dieser Artikel erklärt, was rechtlich gilt, was in der Praxis erwartet wird und an welchen Stellen Übergaben tatsächlich scheitern.

„Besenrein" heißt weniger, als die meisten denken
Besenrein ist ein alter Begriff aus dem Handwerk und bedeutet wörtlich: grober Schmutz ist entfernt, der Boden ist gekehrt. Der Bundesgerichtshof hat mehrfach bestätigt, dass Mieter zu mehr nicht verpflichtet sind, wenn im Vertrag nichts anderes wirksam vereinbart wurde. Eine Klausel, die eine professionelle Endreinigung auf Kosten des Mieters vorschreibt, ist in Formularmietverträgen in der Regel unwirksam.
Trotzdem ist die Rechtslage nur die halbe Miete. Denn was Mieter schulden, ist das eine — was bei der Übergabe passiert, das andere. Ein Vermieter, der eine Wohnung mit verfetteter Dunstabzugshaube und verkalkter Dusche übernimmt, wird nach Gründen suchen, die Kaution einzubehalten. Und findet sie oft.
Der wichtigste Unterschied
Besenrein betrifft nur die Reinigung. Davon zu trennen sind Schönheitsreparaturen (Streichen, Tapezieren) und echte Schäden. Das sind drei verschiedene Baustellen, die in der Übergabe gern vermischt werden — meist zum Nachteil des Mieters.
Woran Übergaben in der Praxis scheitern
Aus unserer Arbeit bei Umzugsreinigungen sind es fast immer dieselben Stellen. Nicht die großen Flächen, sondern die Details, die beim eigenen Putzen übersehen werden, weil man sie jahrelang nicht angeschaut hat.
- •Fensterfalze und Rahmen — die Scheibe ist geputzt, der Falz voller Dreck
- •Rollladenkästen und Heizkörperrippen, innen
- •Dunstabzugshaube mit Fettfilter, oft seit dem Einzug nicht gereinigt
- •Silikonfugen in Bad und Küche, vergraut oder mit Schimmelansatz
- •Backofen, Herdplatten und die Schublade darunter
- •Kalk an Armaturen, Duschwänden und im Spülkasten
- •Türzargen, Lichtschalter und Steckdosenrahmen
- •Keller- und Speicherabteile, die beim Auszug vergessen werden
Auffällig ist: Die Liste hat mit Fläche wenig zu tun. Eine 40-Quadratmeter-Wohnung kann mehr Arbeit machen als eine doppelt so große, wenn Küche und Bad lange vernachlässigt wurden.
Selbst putzen oder machen lassen?
Eine ehrliche Antwort: Wer Zeit hat und gründlich arbeitet, schafft das selbst. Der Punkt ist nur, dass beides beim Umzug selten zusammenkommt. Die Endreinigung fällt genau in die Woche, in der Kisten gepackt, Möbel transportiert und die neue Wohnung eingerichtet wird.
Rechnen Sie ehrlich: Für eine leere Zweizimmerwohnung sind sechs bis zehn Stunden gründliche Arbeit realistisch, Küche und Bad machen davon gut die Hälfte aus. Wenn Sie diese Zeit haben, sparen Sie Geld. Wenn nicht, ist die Frage nicht, ob Sie eine Reinigung beauftragen, sondern ob Sie das Risiko eines Kautionsstreits eingehen wollen.
Reihenfolge, die sich bewährt hat
Erst ausräumen, dann reinigen — nie umgekehrt. Eine Reinigung in einer noch halb möblierten Wohnung muss zweimal gemacht werden, und der zweite Durchgang kostet genauso viel wie der erste.
Was eine professionelle Endreinigung umfasst
Damit Sie Angebote vergleichen können: Das gehört bei einer Umzugsreinigung zum Standard und sollte im Angebot ausdrücklich genannt sein.
| Bereich | Was dazugehört |
|---|---|
| Küche | Schränke innen und außen, Backofen, Herd, Dunstabzug mit Filter, Spüle entkalkt, Fliesenspiegel |
| Bad | Dusche und Wanne entkalkt, WC innen und außen inkl. Spülkasten, Fugen, Spiegel, Armaturen |
| Böden | Gesaugt und feucht gewischt, Ecken und Kanten, Sockelleisten |
| Fenster | Scheiben innen und außen, Rahmen und Falze, Fensterbänke |
| Türen | Blätter, Zargen, Klinken, Lichtschalter |
| Sonstiges | Heizkörper, Rollladenkästen, Keller- und Speicherabteil |
Worauf Sie im Angebot achten sollten
Steht dort nur „Endreinigung Wohnung, pauschal", fehlt die Grundlage für eine Reklamation. Ein sauberes Angebot listet die Bereiche einzeln auf. Nur dann können Sie später sagen, was nicht geliefert wurde.
Die Übergabe selbst
- 1Machen Sie Fotos, nachdem gereinigt wurde und bevor Sie die Schlüssel abgeben — mit Datum, am besten mit dem Handy.
- 2Bestehen Sie auf einem schriftlichen Übergabeprotokoll, auch wenn der Vermieter es für unnötig hält.
- 3Unterschreiben Sie kein Protokoll, in dem Mängel stehen, die Sie nicht anerkennen. Sie dürfen widersprechen und das vermerken lassen.
- 4Lassen Sie sich Zählerstände gegenzeichnen — Strom, Gas, Wasser.
- 5Notieren Sie, wie viele Schlüssel Sie übergeben. Fehlende Schlüssel sind ein häufiger und teurer Streitpunkt.
Wenn der Vermieter nach der Übergabe Mängel geltend macht, sind Ihre Fotos das stärkste Argument. Ohne Fotos steht Aussage gegen Aussage, und die Kaution bleibt erst einmal da, wo sie ist.
Wenn der Termin kippt
Das kommt häufiger vor, als man denkt: Der Übergabetermin wird kurzfristig vorgezogen, die Möbelpacker sind später fertig als geplant, oder die Wohnung ist zwei Tage früher leer als gedacht. Sagen Sie das früh — bei uns ist eine Umplanung möglich, solange es nicht der Tag selbst ist. Ein geplatzter Übergabetermin kostet Sie mehr als jede Reinigung.
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